Labo Agen

Die Kunst des langsamen Antwortens

Preise:
Eintritt: 21,00 Euro
Ermäßigung: 16,00 Euro

Deutsch-Arabischse Konzert Ereignis

Mit Ramadan Ali (Syrien/Deutschland), Cornelia Lanz (Deutschland),  Mazen Mohsen (Syrien), Ahmad Shakib Pouya (Afghanistan) und Gernot Wolfram (Deutschland)
 
 
weitere Vorstellung um 22:30
Karten
Am 10. Juni ist der Orlowsky der Hofspielhaus-Fledermaus, die Sängerin Cornelia Lanz, in einem besonderen Projekt zu erleben. Eine deutsch-arabische Konzertlesung, die sich um Flucht und Heimatlosigkeit, vor allem aber um Menschlichkeit und Verständigung dreht. Gemeinsam mit dem Schriftsteller Gernot Wolfram, dem syrischen Schauspieler Ramadan Ali und dem syrischen Musiker Mazen Mohsen bringt sie LABO AGEN - Die Kunst des langsamen Antwortens auf die Bühne. Nach der Uraufführung am 13. September im Rahmen des internationalen literaturfestival berlin 2015 ist der Auftritt im Hofspielhaus eine wunderbare Gelegenheit, diese beeindruckende Produktion live zu erleben.
Immer noch sind tausende Menschen als Flüchtlinge in Europa unterwegs. Eine Reise, auf der sie häufig als Fremde oder Menschen aus einer fremden Kultur betrachtet werden. Wenn sie dann Länder wie Deutschland erreichen, müssen sie Formulare ausfüllen, in denen ihr Leben kurzgefasst hineinpassen soll. Eines dieser Formulare trägt den Namen LABO AGEN. Da heißt es: Familienstand? Manche ziehen als Familie los und kommen allein an. Oder es wird nach dem Geburtsort der Mutter gefragt: wo war das nochmal? Es gibt viele kuriose Momente, die zum Lachen, Aufbegehren oder Wütendsein reizen. Der Schrifsteller Gernot Wolfram, die Mezzosopranistin Cornelia Lanz und der syrische Saz-Spieler und Comedian Ramadan Ali haben eine Konzertlesung einstudiert, mit der sie die Fragen dieser Formulare anders beantworten. Sie suchen nach wirklichen Antworten. Begegnen den kalten Fragen mit Musik aus Syrien, Deutschland, dem Libanon, mischen Gedanken und Klänge. Sie zeigen, dass das Fremde nicht existiert, wenn Menschen ihre kulturellen Erfahrungen miteinander teilen. So wird dieser Abend zu einer vielstimmigen Reise, bei der auch Lieder von Franz Schubert zu hören sein werden, jedoch mit gänzlich anderen Rhythmen, Bildern und Spuren.
Als Special Guests mit von der Partie ist der syrische Musiker Mazen Mohsen. Außerdem hoffen wir, dass der afghanische Musiker Ahmad Shakib Pouya wieder aus Kabul zurückgekehrt sein wird und am Projekt teilnehmen kann. Er war im Januar in seine Heimat Afghanistan zurückgereist, um seiner Abschiebung zu entgehen. 
 
Der Autor Gernot Wolfram war schon früh mit der Erfahrung des Fremdseins konfrontiert: Nach der Ausreise aus der DDR 1987 lebte er mit seiner Familie zunächst in verschiedenen Aufnahmelagern und Heimen und durchlief einen aufwendigen bürokratischen Registrierungsprozess. Wolfram zu LABO AGEN: „Dies ist kein Flüchtlingsstück, sondern ein Menschenstück. Wir begegnen uns auf der Bühne als Künstler, die sich für ähnliche Erfahrungen interessieren. Das ist hoffentlich weit entfernt von dem Dualismus ‚Fremdenhass – Flüchtlingshilfeeuphorie‘, den wir im Moment im Land beobachten können. Es ist vielmehr der Versuch, sich künstlerisch zu begegnen ohne Exotik und wertende Unterschiede.“
 
 
 
 
Cornelia Lanz, Mezzosopranistin. Die international gefragte Gesangssolistin Cornelia Lanz hat bereits mit vielen bedeutenden Orchestern zusammengearbeitet, darunter den Münchner Philharmonikern und den Berliner Philharmonikern. Außerdem inszenierte sie G.F. Händels Imeneo in Dubai und Janáčeks Die Sache Makropulos in München. Cornelia Lanz ist Stipendiatin des Richard-Wagner-Verbandes. Sie erhielt den Bruno-Frey-Preis, den Förderpreis Kultur des Landkreises Biberach und war Finalistin im Wiener Nico-Dostal Operettenwettbewerb. Mit dem von ihr gegründeten Verein Zuflucht Kultur e.V. legte sie mit Mozarts Così fan tutte und ZAIDE. EINE FLUCHT. und IDOMENEO drei außerordentlich erfolgreiche, viel diskutierte Opernproduktionen mit Flüchtlingen vor. Im September wird Bizets Carmen in München zur Aufführung kommen. 
 
 
 
 
 
Mazen Mohsen wurde 1994 geboren und kommt aus Suwaida, Syrien. Dort arbeitete er nach einem zweijährigen Studium als Musikschullehrer (Gitarre, Akkordeon und Oud).  Nach etwa einem Jahr entschloss er sich, zu flüchten, da aufgrund des Krieges keine anderen Musikschullehrer mehr vor Ort waren. Seit August 2015 ist er in Deutschland und spielt bereits bei etlichen Konzerten mit Gitarre und Cajon arabische, aber auch deutsche Lieder, die er selbst schrieb. Mit Cornelia Lanz erarbeitet er Fusionen zwischen arabischen Melismen und deutschem Operngesang. Er möchte zur Aufnahmeprüfung für Operngesang an der Musikhochschule Stuttgart antreten. Dafür trainiert er in verschiedenen Meisterkursen. Mazen liebt Oper und freut sich, wenn sich verschiedene Kulturen innerhalb einer Inszenierung verbinden, wie in Idomeneo und Zaide. Eine Flucht.
 
 
 

Ramadan Ali, Schauspieler, ist seit 2011 in Deutschland. Er war bereits in Syrien Schauspieler und Comedian. Nach wiederholter Haft und Folter floh er nach Deutschland und macht jetzt hier Theater, meistens in Ulm, wo er lebt, und in Augsburg. Durch die Erfahrungen in seinem Land ist er zu einem politischen Menschen geworden. So spielt er weniger Komödien als vielmehr Dramen, vor allem sein eigenes.

 

 
Ahmad Shakib Pouya aus Afghanistan hat sein Leben lang Musik gespielt. Er studierte in Kabul Zahnmedizin und arbeitete in einem französischen Lazarett als Krankenpfleger. Mit seinen Sprachkenntnissen (persisch, deutsch, englisch, urdu, hindi, paschtu) engagiert er sich als Dolmetscher in der Flüchtlingsarbeit. Pouya wirkte bereits in vielen Musik-und Theaterprojekten mit. In ZAIDE. EINE FLUCHT. spielt er die Rolle des Gomatz. 
 
 
 
Gernot Wolfram, Schriftsteller und Publizist. Zahlreiche Preise für seine literarischen Arbeiten, unter anderem den Walter-Serner-Preis und den Sylter Inselschreiberpreis. Er beschäftigt sich in seinen Romanen, Erzählungen und Essays mit Fremdheitserfahrungen und Wahrnehmungsverschiebungen. Wichtige Werke Der FremdländerSamuels ReiseDas Wüstenhaus, alle veröffentlicht bei der Deutschen Verlags-Anstalt. Zuletzt erschien bei Hentrich&Hentrich der viel beachtete Essayband Der leuchtende Augenblick – Über Menschen und Orte des Lesens. 2014 gründete Wolfram mit Studierenden aus Berlin den Kultur- und Bildungsverein für Flüchtlinge Board of Participation e.V.
 

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